Review Voigtländer Nokton 0,95/25 MFT


Voigtländer Nokton @ f/0.95 ©2010 by peterlueck.com

Ausnahmelinse, Lichtriese, Weltmeister – für das neue Voigtländer Nokton 25mm f/0.95 MFT lassen sich eine Menge Termini finden. Und zweifelsfrei ist es eine beachtliche Leistung der Cosina-Konstrukteure, die ein kompaktes Werkzeug für lebendige Bilder an Micro Four Thirds geschaffen haben. Die Japaner sind mit ihrem deutschen Label Voigtländer seit Herbst 2010 Mitglied im MFT-Verbund und es ist ihr erstes Objektiv für dieses Bajonett. Für ein System, dass wegen seines Formatfaktors jede Kommastelle Lichtstärke gut gebrauchen kann, kommt es wie gerufen. Einerseits, um die ISO niedrig zu halten. Andererseits, um kurze Verschlusszeiten zu realisieren, wenn die Bedingungen – wie so oft – eben nicht ganz optimal sind. Gerade Lichtstärke ist bei MFT ein wichtiger Schlüssel für die Bildgestaltung mit selektiver Schärfe. Mit dem Nokton hat man hier eine Normalbrennweite ins Rennen geschickt, die in diesem Zusammenhang einzigartig ist und deren größte Blendenöffnung f/0.95 es direkt zum Available light-Weltmeister der Evil-Objektive macht.

Wie angekündigt, war ich in den letzten Wochen (fast ausschließlich) mit der PEN und dem Voigtländer Nokton 25mm f/0.95 MFT unterwegs. Habe es in den dunklen Straßenecken von London ausprobiert und mit ihm den ersten Schnee hier bei uns an der See festgehalten. Habe hunderte Fotos mit und ohne Sucher gemacht, gesichtet und RAW’s entwickelt. Der Gesamteindruck nach dieser Zeit lautet: Großartig! In dieser Richtung darf es gern weiter gehen bei Voigtländer.

Natürlich – wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Die Extremleistungen der großen Öffnung haben ihren Preis. Und so sind neben Coma um punktförmige Lichtquellen herum auch bläuliche Farbsäume, eine leichte Vignettierung und unscharfe Bereiche in den Bildecken bei f/0,95 zu finden. Die meisten Bildfehler sind i.d.R. durch moderates abblenden auf etwa f/1.8 zu verhindern und im normalen Gebrauch nicht von Gewicht. Auf der Gegenseite aber bleibt der Mehrwert einer Optik, die Bilder erlaubt, die mit bislang gängigen MFT-Objektiven so nicht möglich waren. Und auch wenn das Nokton keinen Autofokus besitzt, probieren Sie es aus. Besonders zu empfehlen ist es zusammen mit einem el. Viewfinder wie dem VF-2 an der E-PL1. Dieser kann insbesondere dann von großem Wert sein, wenn starke Sonneneinstrahlung ein flinkes Fokussieren mit dem Display erschwert. In Kombination mit der auf Knopfdruck aktivierten Lupenfunktion ist das kinderleicht und sehr präzise. Übrigens, die Entfernungsskala auf dem Objektiv ist vor allem dem Nahbereich zugeordnet. Nur etwa zwei Zentimeter der Einteilung bleiben für den Objektabstand zwischen 1 Meter bis unendlich.

Die Bildsprache des Voigtländer Nokton 25mm f/0.95 MFT ist über jeden Zweifel erhaben. Sie erhalten – je nach Einstellungen – knackscharfe Fotos mit satten Farben sowie seidige Unschärfeverläufe. Das Bokeh muss keinen Vergleich scheuen und auch Brillanz und Plastizität sind auf hohem Niveau. Das “Micro”-Objektiv ist dreimal so lang wie die beliebten, etwas weitwinkligeren Pancakes von Olympus und Panasonic. Es wiegt 410 Gramm und hat keinen Autofokus. Sie werden damit einhändig keine Bilder machen können. Aber – wenn sie mit manuellen Objektive umgehen können und wollen – verwöhnt es sie mit Bildern, die sie so mit keinem anderen MFT-Objektiv möglich sind.

Beispielbilder Voigtländer Nokton 0,95/25 MFT
unbearbeitete Jpgs aus der Olympus E-PL1
(Bilder anklicken für das Original)

Camera Jpg, PC046115 Camera Jpg, PC046098
Camera Jpg, PB285987 Camera Jpg, PC036086
Camera Jpg @ f/0.95, PB184789 Camera Jpg, PB285925
PB205059 PB205330
PB194881 PB215413
PB215460 PB225713
PB204954 PB205335
PB215660 PB225755
PB286028 Camera Jpg, PB306045

©2010 by peterlueck.com

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24 Antworten zu “Review Voigtländer Nokton 0,95/25 MFT”

  1. Holger F. sagt:

    Sehr überzeugend! Da bring sich doch 4/3 als Ergänzung zur M9 mit Nokti vernehmlich ins Gespräch!

    Danke für’s Zeigen!

    Holger

  2. Georg sagt:

    Großartiges Objektiv und Test.
    Warum eigentlich kein AF? Wenns extra für M4/3 neu konstruiert wurde ist das ja was anderes als ein anderes, altes Objektiv. Liegt wohl an der möglichst kleinen Baugröße?

  3. Peter sagt:

    Danke Euch.
    Georg, vermutlich. Vielleicht stricken die Cosis aber auch an einer digitalen Kamera mit MFT-Bajonett. So etwas wie eine M mit Liveview. Dazu anfangs zwei, drei relativ kleine lichtstarke Objektive wie seinerzeit zur M2 von Leica. Das Fünfziger (equiv.) wäre mit dem 25mm-Nokton schon da. Ein 14/2.0 und ein 42/1.2 würden so eine kleine schwarze Bessa R3D mit Zeitenrad doch prima ergänzen. Als Kitlens reicht man dem geneigten Puristen dazu ein flaches 17/1.4. ;)

  4. Hm, interessanter Gedanke mit der kleinen Cosina m43-Kamera.

    Hat eigentlich das Nokton 25/0.95 irgendeine Vorbereitung für eine mechanische
    Scharfstellung, z.B. eine Steuerkurve wie man sie am kameraseitigen Ende
    von M-Leica-Linsen findet? Oder bleibt bei dem Objektiv definitiv nur eine
    elektronische Lösung?

  5. Peter sagt:

    Servus Ralph, eine interessante Frage.
    Sagen wir es mal so; das Nokton hat ein – mit vier Kreuzschlitzschrauben befestigtes – Bajonett, das weder Stellnasen, Steuerkurve noch elektrische Kontakte besitzt. Es gibt aber seitens des Herstellers z.B. Canon EF-kompatible, manuelle Objektive, die bis auf den Autofokus über den vollen Funktionsumfang (Tv, Av, P etc.) verfügen.

  6. Christian sagt:

    Guten Morgen Peter,

    mich würde mal interessieren, was das für Blenden waren bei den oben gezeigten Bildern. Gut; Exifs ist klar… Aber kannst du es wenigstens so ungefähr einordnen? – Meist Offenblende oder vielfach so um Blende 2.0 oder…? Danke!

  7. Peter sagt:

    Hi Christian,
    bis auf Bild 1, Die Möwen und den Bahnhof alles Offenblende, wenn ich das richtig überflogen habe. Benutze das Ding soweit möglich immer bei Offenblende, da es nur dann den “Look” einer 1,8er Normalbrennweite hat. Will mann alles scharf und hat genug Licht, kann man ja besser ein 17er oder 20er Pancake nehmen. Die Kombis sind kleiner, billiger und haben dann halt Autofokus. Das manuelle Scharfstellen an den Pancakes mit “by wire”-Fokussierung will allerdings geübt sein…

  8. Christian sagt:

    Danke für die Info! Das mit dem Look ist schon bekannt; hab auch schon das ein oder andere M-Objektiv an der Oly dran gehabt. Aber das die Lichter bei Offenblende so gut kommen und auch die Schärfe so passt ( für nen Voigtländer ) wundert mich dann doch ein bißchen.

    Also eine echte Kaufüberlegung!

  9. Vielen Dank, Peter! Wunderbar review. Ich möchte diesen objektiv für meinem Olympus E-P1 zu kaufen. Ich habe andere CV objektive für 5D Mk II (CV40 und CV20). Ich kann keine EVF für meinem E-P1 zu haben und das ist meinem grösste fragen od ich kann die Nokton präzize fokussiere mit LCD. Entschuldingen Sie meinem sehr schlecht Deutsch!

  10. Peter sagt:

    Hallo Jonne,
    Tervetuloa – und keine Sorge, mein Finnisch ist noch viel schlechter. ;) Die E-PL1 ist die bessere Kamera. Sie hat einen Blitz und die Rauschunterdrückung (eingestellt auf “weniger”) lässt mehr vom Bild übrig. Auch kannst Du dort einen Viewfinder anschließen. Aus meiner Sicht geht es auch mit dem Display, aber gerade jetzt wo Schnee liegt oder im Sommer am Strand wird es sehr schwer und Du wirst das Display immer mit einer Hand vor Sonnenlicht schützen müssen. Man kann es machen, aber mehr Spaß hat man einfach mit dem Sucher. Apropos Sommer, auch ein Graufilter ist für dieses lichtstarke Objektiv sehr zu empfehlen.

  11. Yogi sagt:

    Hallo Peter,

    beeindruckende Fotos, was mich aber bei fast allen lichtstarken Voigtländern stört, ist dass der Unschärfebereich immer sehr vom Hauptmotiv ablenkt, deutlich mehr als bei anderen Lichtboliden. Ich vermute mal das liegt an den Übergängen zwischen Schärfebene und Hintergrund der ja deutlich abweichen kann je nach Linse.

    Bin gespannt auf deine M9 Bilder

    Yogi

  12. Greg sagt:

    Hallo Peter
    Auf der Suche nach einem portablen System bin ich auf Deine Seite gestossen.
    Die 5D mit Ultron 40mm hat mich eigentlich schon überzeugt.
    Nun mit der E-PL1 und Nokton 25mm bin ich mir nicht mehr so sicher. (Die Brennweiten sind ja ähnlich, wobei ich die umgerechneten 50mm des Nokton bevorzugen würde)
    Wie sind die Bilder 5D/Ultron im Vergleich zur E-PL1/Nokton bezüglich Bokeh?
    Könntest Du ein Bild posten oder mir mailen mit den beiden Systemen nebeneinander, damit man den Grössenvergleich sieht?
    Danke!

  13. Greg sagt:

    Oops. Das mit dem grössenvergleich hat sich erledigt … habe es eben in einem älteren Beitrag gesehen.
    Welches System bevorzugst Du? 5D/Ultron 40mm oder E-PL1/Nokton?

  14. Peter sagt:

    Hi Greg, Mhh, das ist schwer zu beantworten. Seit ich eine M9 habe, stellte sich die Frage nach einer kompakten KB-Lösung nicht mehr und ich habe u.a. auch das 40er Pancake versilbert. Das Nokton ist, neben adaptierten M-Objektiven, eine hochlichtstarke Ausnahme bei mFT bisher. – Eine ausgezeichnete Lösung und durch f/0.95 mit guten Möglichkeiten der Bildgestaltung (entsprechend etwa f/2,0 an KB). Zudem ist die Naheinstellgrenze von 15cm hier sehr interessant. Die ISO-Performance wäre wiederum ein Vorteil für das Ultron an der 5DII. Ein Patt?

  15. Greg sagt:

    Hallo Peter. Danke für die rasche Antwort. Ich war bis jetzt unterwegs und habe Deine Antwort erst jetzt gesehen. Meinst Du die Kombination 5d/Ultron ist mit ca. 1kg doch nicht so kompakt und flexibel genug, um sich längerfristig zu bewähren, da Du das Ultron wieder versilbert hast?
    Eine Leica ist leider nicht in unmittelbarer Reichweite.
    Grüsse aus Volcano, HI.

  16. Reiner sagt:

    Hallo Peter, DANK für den beeindruckenden Erfahrungsbericht. Nur so am Rande hast Du Erfahrung mit anderen M-adaptierten Voigtländern an der PEN? Z.B Nokton 40/1.4, 35/1.4 oder Skopar 35/2.5. Es würde mich interessieren ob der Qualitätsunterschied zum neuen 25/0.95 sehr groß ist.
    Grüße, Reiner

  17. Peter sagt:

    Greg, aber genau das war der Grund, da ein 50/1.2 ja auch noch da ist.
    Die M9 ist die kompaktere Lösung und somit war das gute Ultron halt überflüssig.

  18. Peter sagt:

    Na Rainer, da liegt aber schon ein wenig Brennweite dazwischen… Kenne nur das VC 35/1.2, welches besser sein soll, als die 1.4er Version. Ist Anfang 2011 jedoch eingestellt worden und nicht leicht zu bekommen. Qualitätsmässig knapp unter dem 0.95er Nokton, aber eines der besten Portraitgläser für MFT. (Per Adapter)

  19. Reiner sagt:

    Hallo Peter, vielen Dank für die Antwort. Ich werde mal das 1.4er ausprobieren. Das 1.2er oder 0.95er sind mir zu kostspielig (im Augenblick). Ein Heliar 15/4.5 war von der (Randun-) Schärfe her betrachtet eher enttäuschend. Farke und Kontraste mochte ich. Vielleicht wäre in der Preisklasse der PEN ein NEX Gehäuse doch der bessere Weg gewesen? (Mal sehen) – Leica M ist leider außer (gewollter) Reichweite.

  20. Peter sagt:

    Mhh, die NEX-Bodys muss man mögen. Die aktuelle Generation ohne Drehrädchen und Blitzschuh wäre mir zu kompliziert und ein 15er Heliar möchtest Du da dran auch nicht sehen. ;) Mit MFT liegst Du ganz gut, solange es noch keinen funktionellen NEX-Body gibt. Kleine Objektive, kleines Auflagenmaß – wie Leica M – nur eben kein KB. Ist zumindest meine Meinung. Was genau – und wofür – suchst Du denn für ein Objektiv?

  21. Reiner sagt:

    Hallo Peter, eigentlich hätte ich gerne eine “universelle” Festbrennweite mit Freistellmöglichkeiten, schönem Bokeh, auch für Nahaufnahmen. Wahrscheinlich so 40-60mm Kleinbild. Übrigens bezüglich des Cropfaktors ist mir bei mFT etwas aufgefallen. Zur Berechnung wird immer die Diagonale (oder die Bildbreite?) herangezogen. Da aber mFT mit den Proportionen 3*4 und nicht 2*3 arbeitet, wäre der Cropfaktor bezogen auf die Bildhöhe nur 1,85 und nicht zwei, d.h. 35mm entsprächen 65mm (mit etwas verkürzter Breite), 28-52, 25-46.

  22. Peter sagt:

    Nokton 25/0.95 oder Panasonic G 20/1.7. Wobei letzteres eben wegen des Faktors Zwo und “nur” f/1.7 kaum “freistellen” kann. Ausgenommen im Nahbereich, wie bei Kompakten auch. Beide Objektive sind aktuell sehr gut wiederverkaufbar, einfach ausprobieren… PS: Der Größen/Preisunterschied ist jedoch beträchtlich!

  23. Bernd sagt:

    Hallo Peter,

    sehr schöner Bericht, der die PEN noch interessanter für mich werden lässt.
    Wo kann man übrigens das Fotomodell auf dem Restaurantbild buchen? ;-)

    Gruß,
    Bernd

  24. Peter sagt:

    Willkommen hier, Bernd.
    Ja, die PEN in Kombination mit dem Nokton ist einen Blick wert. Welches Restaurant-Bild meinst Du?