Nokton 25/0.95 vs. Panasonic Lumix DG 25/1.4


Review Voigtländer Nokton 25mm f/0.95 und Panasonic Lumix 25mm f/1.4

“Nichts ist wichtiger als Lichtstärke.” Dieser oft strapazierte Satz gilt besonders für Objektive, die an Micro Four Thirds verwendet werden sollen, denn durch den Formatfaktor 2 nimmt die Tiefenwirkung bei gleicher Blende gegenüber Kleinbild spürbar ab. Was für Makroaufnahmen hilfreich sein kann, lässt bei Verwendung von Weitwinkel- oder Normalbrennweiten und wenn eine Blickführung durchs Motiv gefragt ist, gelegentlich zu wünschen übrig. 2009 nahm Cosina sich dieser Problematik an und konstruierte den amtierenden Lichtstärke-Weltmeister für das Micro Four Thirds-Bajonett, das Voigtländer Nokton 25/0.95. Dieses Objektiv ist fantastisch, sowohl vom Handling her als auch von seinen optischen Leistungen. Aber es gibt einen Haken: Es bietet keinerlei elektronische Kontakte und keine automatische Scharfstellung an. Wer diese sucht und nicht wesentlich auf Bildqualität verzichten möchte, wird nun bei Panasonic fündig.

Das neue Panasonic Lumix Leica DG 25mm F1.4 ASPH, so die korrekte Bezeichnung, ist knappe 2 Zentimeter kürzer als das Nokton, etwas dicker, wesentlich leichter und obendrein mit etwa 600 Euro günstiger zu haben. Schon ab der größten Blendenöffnung f/1.4 liefert das Objektiv scharfe und kontrastreiche Aufnahmen. Die Bilder mit gleichen Blendenwerten sind denen des Nokton zum Verwechseln ähnlich. Farblich kommen sie etwas kühler daher, bei Offenblende mit einer Vignette, die das Bild im Vergleich insgesamt dunkler erscheinen lässt. Bereits ab Blende f/2.0-2.8 arbeitet es absolut auf dem Niveau der aktuellen MFT-Referenz.

Bedauerlicherweise ist die Springblende des Lumix DG 25/1.4 in ruhiger Umgebung sehr laut. Benutzer aktueller Panasonickameras (Lumix GH, GF) haben hier derzeit einen nennenswerten Vorteil gegenüber PEN-Usern. Denn der Liveview scheint bei den Modellen verschieden zu arbeiten. An einer Olympus E-PL1 sowie auch an der aktuellen E-P3 “klappern” die Blendnlamellen beim Kameraschwenk vom Hellen ins Dunkle und umgekehrt. Zusätzlich auch dann, wenn nur der Auslöser im Autofokusbetrieb angetippt wird. Diese Geräuschkulisse dürfte zum Beispiel bei Lesungen oder Kirchenzeremonien von den Anwesenden als sehr störend empfunden werden. Hoffen kann man hier nur auf ein baldiges Firmware-Update für das Objektiv oder die genannten Kameramodelle. Bis es so weit ist, empfiehlt es sich, an den PENs regen Gebrauch von der Messwertspeichertaste für die Belichtung zu machen, da diese die Blendenöffnung fixiert und das “Klappern” verhindert.

Unten finden Sie wie immer eine Reihe von Beispielbildern unter Verwendung beider Objektive an der Olympus E-PL1. Die Bilder stammen direkt aus der Kamera und sind nicht bearbeitet oder beschnitten, um einen objektiven Vergleich zu ermöglichen. Sie zeigen, wie dicht Nokton und Lumix qualitativ beieinander liegen und dass man die Entscheidung für oder gegen einen der Kandidaten eher vom Einsatzgebiet her treffen sollte. Das Nokton bietet die geringere Naheinstellgrenze und die höhere Lichtstärke an, das Lumix punktet vor allem durch seinen zügigen Autofokus und die etwas kompaktere Baulänge. Diese entspricht im Übrigen exakt der des Leica Summilux-M 50/1.4 ASPH, das äquivalent zum Kleinbild den gleichen Bidwinkel besitz.


Größenvergleich Nokton 25mm f/0.95, Summilux-M 50mm f/1.4 ASPH FLE (KB), Panasonic Lumix 25mm f/1.4

Full size samples Voigtländer Nokton 25/0.95 vs. Panasonic Lumix DG 25/1.4 ASPH
Original Kamera Jpgs, Olympus PEN E-PL1
Review ©2011 by peterlueck.com

Links: Nokton, rechts: Lumix (Anklicken für das Original)
P9271446 Nokton 25/1.4 @ f/4.5 P9271445 Panasonic Lumix DG 25/1.4 @ f/4.5
P9271441 Nokton 25/1.4 @ f/2.8 P9271442 Panasonic Lumix DG 25/1.4 @ f/2.8
P9271428 Nokton 25/1.4 @ f/1.4 P9271429 Panasonic Lumix DG 25/1.4 @ f/1.4
P9271427 Nokton 25/1.4 @ f/1.4 P9271426 Panasonic Lumix DG 25/1.4
P9271414 Nokton 25/1.4 @f/4.0 P9271416 Panasonic Lumix DG 25/1.4 @f/4.0
P9271409 Nokton 25/1.4 @ f/4.5 P9271408 Panasonic Lumix DG 25/1.4 @ f/4.5
P9271323 Nokton 25/1.4 @ f/1.4 P9271321 Panasonic Lumix DG 25/1.4 @ f/1.4
P9271318 Nokton 25/1.4 @ f/3.5 P9271317 Panasonic Lumix DG 25/1.4 @ f/3.5
P9271314 Nokton 25/1.4 @ f/4.0 P9271312 Panasonic Lumix DG 25/1.4 @ f/4.0

Beide Objektive an der Naheinstellgrenze:
Links: Nokton, rechts: Lumix (Anklicken für das Original)
Minimum distance, Nokton 25/1.4 @ f/8 (P9281486) Minimum distance, Panasonic Lumix DG 25/1.4 @ f/8 (P9281487)

Beide Objetive bei Offenblende:
Links: Nokton, rechts: Lumix (Anklicken für das Original)
P9271431 Nokton 25/1.4 @ f/0.95 P9271430 Panasonic Lumix DG 25/1.4 @ f/1.4

PS: Zum Voigtländer Nokton 25/0.95 erschien auf peterlueck.com bereits ein Review mit hochauflösenden Low-Light-Straßenszenen aus London. Bitte folgen Sie diesem Link.

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19 Antworten zu “Nokton 25/0.95 vs. Panasonic Lumix DG 25/1.4”

  1. Maximal2Personen sagt:

    Hallo Peter,
    da steckt viel Arbeit dahinter. Respekt. In Punkto Auflösung scheint sich aber klar das Nokton abzusetzen (einzige Ausnahme ist das Rathausfoto (?), wobei hier die Eckenunschärfe wohl eher durch die stärkere Kippung der Kamera verursacht wird. Auch die Farben gefallen mir beim Nokton besser (Innenstadtansicht). Die etwas anderen Farben beim Panasonic sind sicher eine Softwaresache und können sich durch ein Update noch ändern.
    Der Auflösungsvorteil spielt sowieso nur eine Rolle bei großformatigen Ausdrucken. Aber man weiß ja nie.
    Schade, ich besitze leider keins der beiden Objektive.
    Gruß Maik

  2. Peter sagt:

    Hallo Maik, Danke fürs Lesen. Weiß ich endlich, für wen ich das hier reingesetzt habe. ;)
    So “klar” sehe ich allerdings keines der Objektive im Vorteil, was die Schärfe betrifft. Für mich kommt unterm Strich eher ein Patt heraus. Beide Linsen haben etwas, das die andere nicht bietet… PS: Die Farbunterschiede sind natürlich per RAW-Konverter und Co veränderbar, existieren aber durchaus real und lassen sich nicht per Update ändern, denn die Kamera (und alle Einstellungen) waren die selben.

    PS: Das Rathaus ist eine Apotheke.

  3. Maximal2Personen sagt:

    Ok, dann schau Dir mal den Kran auf dem Werftbild an oder das Straßennamenschild in der Mitte des Altstadtbildes oder die Uhr im Auto …
    Aber ich geb Dir Recht, sind beides wirklich Topobjektive und ein Autofokus ist ja auch nicht zu verachten.
    Ich dachte die sind schon soweit eigene Objektivprofile für die jeweilige Interpretation der Rawdaten in die Software der Kamera zu integrieren. Aber das klappt ja nicht mal so richtig bei den Raw-Konvertern.
    Bin nächste Woche mit Nils unterwegs und dann wird mal wieder fotografiert und keine Pixel gezählt.
    Gruß Maik

  4. jan79 sagt:

    Hallo Peter,
    ein sehr interessanter Vergleich, danke! Tatsächlich scheinen sich die beiden 25er in der Bildanmutung nicht so groß zu unterscheiden. Aber die unschönen Unschärfen in den Ecken des Voigtländers hat das Panaleica nicht so stark, oder?
    Ein Autofokus hat natürlich was, aber die noch höhere Lichtstärke des Voigtländers eben auch (wie Du ja auch im Vergleich im blauen Forum zeigst).
    Gruß,
    jan

  5. fibbz sagt:

    Hi Peter,

    danke für den Vergleich, das Klappern (oder Rattlesnake-Geräusch, wie es beim dpeview.com-Forum heisst) des Summilux kann ich der auch für die E-PL2 bestätigen. Bislang ist es ok, bei ruhigen Umgebungen, wie von dir angesprochen in der Kirche oder Lesung, ist es tatsächlich recht lauter, lauter als vom 20mm Panasonic Pancake. Den Tipp merk ich mir aber. Dafür auch ein Danke! Und weiter so mit dem Blog.

  6. DanielBallard sagt:

    Toller Vergleich wieder mal, danke für die Mühe.
    Mir gefällt das Nokton aber subjektiv durch die Bank auch besser.. Farben sagen mir mehr zu.
    Wenn’s bloss nicht so groß und teuer wär.. seufz..

  7. Enrico sagt:

    Hallo Peter,
    keine Angst, Deine Artikel werden öfter gelesen als Du vielleicht denkst, nur nicht jeder kann auch etwas sinnvolles dazu schreiben. Auf jeden Fall haben Deine Vergleiche deutlich mehr Einfluss auf meine Kaufentscheidung als die vielen anderen “ausführlichen” Tests der einschlägigen Gazetten. Wenn ich mal endlich eine Pen habe, dann werde ich mich öfter in Deinem Forum zu Wort melden, versprochen.
    Viele Grüße und mach’ weiter so!
    Enrico

  8. Peter sagt:

    Danke, auch den anderen. Ja, die Statistik der Zugriffe hier steht in einem starken Missverhältnis zur Anzahl der Kommentare. Ich kann nur dazu ermuntern, Fragen zu stellen oder Wünsche zu äussern. PS: Ich werde das Wochenende nutzen um mit dem neuen M.Zuiko 45mm f/1.8 erste Bildbeispiele zu erstellen. Eigens dazu habe ich eine E-PL3 bekommen, die mir auf Anhieb sehr gefällt. Sie ist winzig und noch mal schneller als die P3. Großartig, was Olympus da derzeit im Portfolio hat!

    Olympus 45mm f/1.8 and PEN E-PL3

  9. Fibbz sagt:

    Peter,

    vielleicht weil dein Artikel mittlerweile bei 43rumors.com gelinkt wurde, sind die Zugriffe hoch gegangen. Aber mal schauen.
    Und: Neid ;-) , die 45mm will ich auch unbedingt probiern, bin gespannt auf die Bilder. Nur geldtechnsch grad etwas knapp, die 25mm ist grad in meinem Besitz gekommen

  10. John sagt:

    Its a very close fight between the 2 lenses. Though the Nokton is faster, i prefer the PL-25’s color, contrast and reduced flaring. I think the nano coating works as shown. Impressive!

  11. Håkan M sagt:

    Vielen Dank für den Vergleich gegen Nokton. Wenn jemand, sie für Bewegtbild-Denken und ich kann Ihnen sagen, dass die Nokton eine fantastische Verarbeitungsqualität hat und ist sehr einfach zu bedienen und hat eine sehr hohe Zuverlässigkeit. Hier können Sie ein Winter-und Sommer-“Film“ mit meinem Nokton zu sehen. Ein gutes Glas ist immer eine gute Investition und es hilft zu sagen und daran erinnern, dass besonderer Moment.
    http://www.vimeo.com/17991339
    http://www.vimeo.com/25839118
    Grüßen aus Schweden!

  12. Johannes sagt:

    Es fällt auch auf, dass das Panasonic Lumix 25mm f/1.4 eine kürzere Brennweite hat. Für meinen Geschmack sind die Farben des Panasonic Lumix differenzierter. Die Wiedergabe des Nokton ist immer heller, was wohl an der Blenden Abstimmung des Herstellers liegt, somit ist die effektiver Lichtärke des Nokton gegenüber dem Lumix noch höher.

  13. Peter sagt:

    Hankan, sehr schön – besonders der zweite Film, vielen Dank fürs Zeigen. Insbesondere für das Filmen ist das Nokton mit seinem Blendenring wohl die bessere Wahl. Ich hörte, dass es unlängst Patente von Canon gegeben haben soll, die (EF ?)-Objektive mit Blendenring zum Inhalt haben… wäre eine feine Sache… ;) Grüße nach Schweden.

  14. Michael sagt:

    Hallo Peter.

    Vielen Dank für den Vergleich!
    Wie sieht es denn beim Pana mit dem Fokussieren aus bei MF?
    Dieses ist ja bestimmt elektronisch geregelt – ist der Weg so lang wie beim 20er 1,7?
    Beim Filmen stört der lange und wenig rückmeldende MF mich ziemlich. Da ist das Nokton ja eine andere Liga.
    Wäre natürlich schön wenn das beim Pana 25er besser gelöst wäre.

    Gruß
    Michael

  15. Peter sagt:

    Micheal, Danke. Nicht wirklich. Das ich ein 20/1.7 benutzt habe, ist lange her. Das manuelle Fokussieren beim Lumix ist gefühlt etwas “direkter”. – Vorteil gegenüber dem Voigtländer ist, dass der Fokus-Assistent automatisch beim Drehen anspringt. Man spart sich also das mehrmalige Drücken der Lupentaste für Feinheiten. Der AF ist an den neuen PENs sehr flink und durch die brauchbare Lichtstärke auch bei wenig Licht recht sicher. Mit Hilfslicht sowieso. Man kommt real kaum in die Gelegenheit, den MF zu benutzen. Zum Filmen wäre meine Empfehlung jedoch ganz klar das Nokton (und natürlich ein Fader!).

  16. Jörg S sagt:

    Hallo Peter,
    seit ich über die Suche nach Bildern vom VL 40 f/2 an der Canon 5D MkII auf Deine Seite gestoßen bin, verfolge ich mit Bewunderung Deine Arbeiten – ganz gleich mit welchem Werkzeug – und mit großem Interesse die Reviews zu den Edel-Kompakten/MFT etc. Low (available) Light, Schärfeverlauf/Offenblende und “natürliche” Bildwinkel/Brennweiten prägen ja erkennbar Deine Handschrift.
    An meiner 5D nutze ich jetzt auch das VL, doch seit kurzem gesellt sich eine E-PL3 hinzu (warum wohl?), allerdings noch mit Kit-Optik. Und nun zur Frage an den, der schon alles probiert hat: Angenommen, Du müsstest Dich für ein einziges Objektiv entscheiden, um Deiner Lust am Fotografieren nach dem Motto “Less is more” zu frönen: Was wäre Deine Wahl? Ich hatte das Nokton beim Händler schon mal angesetzt, aber letztlich wäre es mir doch zu unhandlich als “one for all”. Das Leica-Panasonic hat ja kaum einer auf Lager z.Zt., das 20er dagegen schon (eigentlich ja eine vielseitige Brennweite, oder?). Dann sehe ich aber auch wieder die 35mm (KB-äquiv.) Deiner Leica X1-Bilder als treffliche Wahl…
    Letztlich muss jeder selbst entscheiden, also nur mal aus Neugier: Was wäre Deine Wahl?
    Grüße aus Hamburg
    Jörg

  17. Peter sagt:

    Danke, Jörg, für die Blumen.
    Meine Wahl für die PEN? Ganz klar ein M.Zuiko 17mm f/1.4! Leider gibt es das aber (noch?) nicht. Unter den vorhandenen Objektiven fiele meine Wahl auf das M.Zuiko 12mm f/2.0. Vermutlich würde ich irgendwie rein zufällig “vergessen“, das 45/1.8er M.Zuiko aus der Hosentasche zu nehmen und mich später freuen, dass ich es dabei habe. :D

  18. Jörg S sagt:

    Weise und salomonisch aus der Affäre gezogen ;-) und obendrein reinrassig markentreu plädiert. Das wird man in HH in der Wendenstrasse gerne lesen…
    Ich habe mich (vorübergehend?) für die Mischlingsvariante entschieden und nun das 20er Lumix montiert. So kann es zum (fairen?) Shoot-Out mit der “Kompakt 5D” kommen – hast mich ja mit dem PEN-Fieber angesteckt und die 5D muss sich nun gegen einen Knirps behaupten.
    Ansonsten liegen wir mit den Präferenzen der Brennweiten etwa gleichauf. Dank der leichten und kleine Optiken kann man in der Tat schnell mal 1, 2 Linsen in den Hosentaschen vergessen ;-)
    Freue mich auf weitere Reviews und neue winterliche low-light shots auf Flickr von Dir – sind immer inspirierend!

  19. Peter sagt:

    :) Natürlich, das 20er Pana liegt genau zwischen meinen Empfehlungen. Ich hatte es eine Weile, war aber nicht so angetan. Dennoch ist es ein gutes Pancacke und passt perfekt zum System. Das gilt übrigens auch für das 17er von Olympus, das hätte ich mir lichtstärker gewünscht. Bei MFT ist eben immer noch “Luft” für schöne, neue Objektive…