Multifunktional – Die Leica M


Neu bei Leica: Live-View und Focus-peaking für die Messsucherkamera.
Motivbereiche, die in der Schärfeebene liegen, werden mit roten Linien hervorgehoben.

Am Vorabend der Photokina in Köln stellte Leica gestern ein neues, lang ersehntes Modell seiner in Deutschland gefertigten Messsucherkameras vor. Überraschend bricht der Hersteller dabei mit alten Traditionen. Denn entgegen allen Vermutungen ist aus der neuen Leica keine “M10″, sondern eine selbstbewusste “M” geworden. In ihrem Gehäuse steckt erstmals in der Geschichte der M ein live-view-fähiger CMOS-Sensor, mit dem auch Filme in Full-HD aufgenommen werden können. Die Architektur des von CMOSIS in Belgien eigens für Leica konzipierten Bilderzeugers soll durch stärker gekrümmte Mikrolinsen und geringere Abstände zwischen den Farbfiltern und Photodioden ankommende Lichtstrahlen effektiver auf die Pixel verteilen und so zu besseren Bildergebnissen führen. Das oft kritisierte Kameradisplay wurde auf 3 Zoll vergrößert und löst nunmehr 920.000 Bildpunkte auf. Es bietet jetzt – ebenso wie der optionale elektronische Klappsucher Visoflex EVF-2 – die Möglichkeit, per Live-View und mit Hilfe von Fokus-Peaking sehr genau scharf zu stellen. Dabei werden mit leuchtend roten Linien Kontrastkanten im Motiv hervorgehoben, die im Bereich der eingestellten Schärfeebene liegen.

Weitere Neuerungen betreffen vor allem die Ergonomie und Anzahl der Bedienelemente sowie einiges an Zubehör. Hinzugekommen sind so z.B. Tasten für die Fokusfunktion, den Live-View und ein Video-Button. Mit dem neuen Leica R/M-Adapter steht Leica R-Objektiven zudem ab sofort digitales Kleinbildformat zur Verfügung. Ein schneller Maestro-Prozessor, eine verbesserte Akkuleistung und die Unempfindlichkeit des Bodys gegenüber Spritzwasser runden das Angebot ab. Die Leica M wird ab Anfang kommenden Jahres in schwarz oder in verchromter Ausführung für 6.200 Euro angeboten. Eine M-Version namens Leica M-E mit CCD-Sensor und ohne Bildfeld-Hebel an der Kamerafront soll zum Einstiegspreis von 4.800 Euro ab sofort zu haben sein. Wie der deutsche Kamerahersteller heute bekannt gab, wird es eine Zusammenarbeit mit dem bekannten Apple-Chefdesigner Johnathan Ive geben. Ive wird in naher Zukunft eine Sonderedition der Leica M entwerfen, heisst es.

Produktinformation des Herstellers (Leica Camera AG)

Tags: , , ,

7 Antworten zu “Multifunktional – Die Leica M”

  1. Ole sagt:

    Klingt sehr interessant, nun kannst Du Dein Canon-Zeug verkaufen ;-)

  2. Peter sagt:

    Erst mal sehen, was da an Tele- und Makroobjektiven fürs M-Bajonett kommt. Die R-Objektive sind ja auch nicht kleiner…

  3. Jörg S sagt:

    Nun ja…
    um mit der Zeit zu gehen, ohne die Identität einer M (wie Mess-Sucher) aufzugeben, verpasste man dem ohnehin ergonomisch nicht eben perfekten M-Gehäuse nun einen Port a lá Olympus E-P. Mit dem (bei LEICA) doppelt so teuren EVF, oder dem auch von Olympus stammenden Mikrofon-Adapter, sieht das Ganze doch alles andere als ästhetisch aus (schlimmer als Spoiler und Kotflügelverbreiterungen….).
    Der Purist wird’s nicht mögen. Da man vermuten darf, dass LEICA-Kunden kaum finanzielle Engpässe kennen, wäre es aus meiner Sicht stimmiger gewesen, man hätte in Ergänzung zu einer puren M (mit modernem Sensor, meinetwegen) eine E im selben Stil gebaut, und darin statt Mess-Sucher einen EVF a lá Fuji X-E1 integriert. Wer 4-stellige Summen für lichtstarke Objektive ausgeben kann, wird ja wohl auch Geld für einen Zweit-Body haben, der ohne aufwendigen Mess-Sucher eigentlich ja auch preiswerter zu produzieren gewesen wäre (wobei LEICA solche Produktionsvorteile ja nicht auch an die Kunden weitergeben müsste – Hauptsache teuer und exklusiv…)

    Nein, das ist kein großer Wurf. Es bleibt allerdings (noch?) die Alleinstellung, kleine, lichtstarke Top-Objektive am Vollformat nutzen zu können und damit den großen Spielraum für selektive Schärfe gestalterisch einsetzen zu können.
    In jüngster Zeit wurde dieser Stil (offene Blende/Bokeh etc.) m.E. allerdings von einigen Fotografen überstrapaziert, beinah so, als wäre das die einzige Existenzberechtigung für die M-Fotografie…

  4. Peter sagt:

    Ein M-Prototyp mit eingebautem EVF wird in Solms sicher auf einem der Konstruktionstische liegen. Vielleicht noch nicht mit der optimalen Auflösung und Reaktionszeit bei wenig Licht, aber ein Anfang wäre es immerhin. Leica ist von der Manpower und dem Umsatz her kein Global Player wie zB Sony oder Olympus. Der Elektrofreund wird sich noch etwas in Geduld üben müssen. Nicht wenige Reisefotografen würden es übrigens bedauern, wenn der geniale Messsucher ganz aus der “M” verschwinden würde.

  5. Dass Leica nicht in einem Modell-Step vom Messsucher auf einen reinen EVF wechseln würde, sondern die M-Tradition noch ein wenig aufrecht erhalten wird, war zu erwarten. Auch wenn der Schritt aus meiner Sicht dringend nötig war, ist er sicher nicht unumstritten und für so ein Unternehmen sogar auch ein bisschen mutig. Ich hätte jedoch trozdem eine leichte Verkleinerung des Bodys erwartet und nicht das Gegenteil.

    Sicher wird auch Sonys Vollformat-NEX bis zum Erscheinen der “M” konkretere Formen angenommen haben und das Ganze wird sicher kompakter und mit reinem EVF daher kommen. Die RX1 und VG900 geben ja schon einen gewissen Vorgeschmack.

    Warum die zum Olympus EVF baugleiche LEICA Version nun das doppelte oder gar dreifache kosten muss, sehe ich ebenfalls als schwer nachvollziehbar an. Es lässt aber die Chance, seine Leica mit Olympus-”Tarnkappe” zu versehen. ;-)

    Spannend ist deswegen für mich vor allem, welche Merkmale der Sensor haben wird. Darin, dass Leica einen anderen Sensor nutzt, als Nikon (D600) und Sony (a99 und RX1) sehe ich Chance und Gefahr zugleich, dass sie sich von den anderen absetzen können – sowohl zum Guten wie zum Bösen.

    Viele Grüße
    Helge

  6. Bernie sagt:

    Hi Peter,

    mal schaun, wie die M mit Live View (permanent geöffneter Verschluss) und dem leidigen Staubproblem durch fehlenden Spiegelkasten und Sensorreinigung klarkommt……

  7. Holger Fehsenfeld sagt:

    @Jörg

    Entgegen Deiner Meinung halte ich die M in der Tat für einen großen Wurf. Warum?

    Das „M“ in der Leica M steht für den Messsucher, den viele nach wie vor einem EVF vorziehen. Eine M MUSS also einen Messsucher haben, sonst ist sie keine. Wer keinen Messsucher möchte oder braucht, darf nicht auf die M setzen.

    Die M schafft den Spagat, attraktiv für die bestehenden Kunden zu bleiben, da die wesentlichen Eigenschaften der M-Linie erhalten bleiben: alle Neuerungen (Live-View, Video, EVF) können vom Puristen vollständig ignoriert werden, sie sind „nicht im Weg“, man kann sie schlicht vergessen. Die schmerzhaft erlebten Nachteile der M9 (Display, Performance, JPG-Qualität) werden verschwunden sein. Und neue Kunden, die auf Live-View und Video nicht mehr verzichten wollen, werden hinzu gewonnen.

    Ich bin sicher, dass wir in der Zukunft auch eine System-Leica erleben werden, die sich vom M-System und ihrem Sucher lösen wird, einen EVF als Sucher nutzt und interessant für diejenigen ist, die einen Messsucher nicht kennen oder nicht zu schätzen gelernt haben.

    Die Ergonomie hat sich übrigens durch den „Daumenhalter“ erstaunlich verbessert, sieht man ihm nicht an.

    Best
    Holger